RATGEBER

Alles für Kitesurfer: Ratgeber zur Auswahl von Bekleidung, Boards, Kites und Neoprenanzügen

Im Sommer reizen nur wenige Umgebungen so sehr zur Freizeitgestaltung wie Seen und Meere. Die Möglichkeiten sind auch über das Schwimmen und Sonnen hinaus zahlreich. Sie können ein Boot mieten oder angeln, campen oder grillen.

Wem dies alles zu ruhig ist, der könnte an einer modernen Form des Surfens Gefallen finden, dem Kitesurfen. Dabei gleitet man auf einem Brett und wird von einem Drachen über das Wasser gezogen. Wenn Sie an einer derartigen Abwechslung interessiert sind, finden Sie im vorliegenden Ratgeber viel Wissenswertes zu dieser Sportart. Über eine Erklärung der wichtigsten technischen Aspekte umfasst er einige Hinweise zum Kauf von Boards, Kites und Neoprenanzügen.

Kitesurfen – so segelt man mit einem Drachen

Das Kitesurfen ist eine verhältnismäßig junge Wassersportart. Der Surfer steht dabei auf einem Board, das der Form nach einem kleineren Surfbrett oder Wakeboard ähnelt. Für den Antrieb auf dem Wasser sorgt ein Drachen (Kite). Die Verbindung zu ihm hält der Surfer über zwei Schnüren in seinen Händen.

In den letzten Jahren hat sich die Sportart massiv weiterentwickelt. Schätzungen von Experten zufolge gehen etwa 500.000 Menschen weltweit regelmäßig dem Kitesurfen nach. Gegenüber dem Windsurfen zeichnet sich dieses durch eine größere Flexibilität aus. Indem die Kraft des Windes stärker ausgenutzt wird, können wesentlich spektakulärere Tricks durchgeführt werden. Ein weiterer Vorteil gegenüber dem klassischen Windsurfen besteht darin, dass die Ausrüstung kleiner, leichter und einfacher zu transportieren ist.

Diese Ausrüstung benötigen Sie

Die Ausrüstung des Kitesurfers besteht aus drei Teilen, die zusammen zum Einsatz kommen. Das erste davon ist das Board. Darüber hinaus gibt es den Bar, an dem der Surfer sich festhält, und den Drachen (Kite). Um die Besonderheiten jedes Teils besser kennenzulernen, lesen Sie die folgende kurze Übersicht. Verfügen Sie bereits über Erfahrungen im Kite-Sport, können Sie diesen Abschnitt überspringen.

Die verschiedenen Board-Arten beim Kitesurfen

Jeder angehende Kite-Surfer hat sich für eine von drei Board-Arten zu entscheiden. Es gibt Twin Tips, Directional- und Mutant-Boards. Allen Modellen ist gemein, dass sie im Gegensatz zum Surfboard über praktisch keinen Auftrieb verfügen. Dieser kommt erst durch hydrodynamische Prozesse beim Fahren über das Wasser zustande. Aufgrund dieser Eigenschaft existieren eine Reihe von Variablen, die bei der Auswahl eines Kiteboards zu berücksichtigen sind. Hierbei handelt es sich im Einzelnen um:

  • das Können des Nutzers,
  • die Windstärke über dem Wasser,
  • das Körpergewicht des Surfers,
  • die Größe des Drachens.

In Abhängigkeit von diesen Werten entscheidet man sich für ein Board mit einer Länge zwischen 120 und 165 cm und einer Breite von 26-52 cm.

Um das Waveboard zu steuern, muss Kraft von den Füßen auf das Brett übertragen werden. Hierzu sind Schlaufen auf seiner Oberfläche vorhanden, in denen man seine eigenen Füße fixieren kann. Weiterhin gibt es Kites mit festen Bindungen und solche mit ebenen Oberflächen, auf denen man wie auf einem Surfbrett steht.

Das Directional-Board – der Urtyp der Kiteboards

Diese Boardform stammt ursprünglich aus dem Surfen. Verglichen mit den anderen Kiteboards verfügt es über einen höheren Auftrieb und ist ein klein wenig höher. Aufgrund seiner fehlenden Finne ist es nicht dazu in der Lage, einen Richtungswechsel auszuführen. Hierfür ist ein separater Fußwechsel erforderlich. Da es ein besonderes Fahrgefühl erzeugt und sich in verschiedenen Wettersituationen ruhig verhält, ist es bei vielen Kitesurfern sehr beliebt. Es ist für Einsteiger und Fortgeschrittene geeignet.

Das Twin-Tip – ähnlich dem Wakeboard

Dieses Board gleicht in seiner Bauweise einem Wakeboard oder Snowboard. Dadurch kann es in beide Richtungen gefahren werden. Weitere Besonderheiten sind die scharfen und harten Kanten. Insgesamt zeichnet sich das Board durch eine sehr stromlinienförmige und flache Fertigungsweise aus.

Das aus dem Wakeboard entstandene Twin-Tip kann wie das Directional Board von Anfängern und Profis bedient werden. Zu beachten ist hierbei allerdings, dass die Größe des Boards mit Zunahme des eigenen Könnens abnimmt. Seine Form zeichnet sich durch eine betonte Symmetrie bezüglich des Umrisses, der Form und der Fußschlaufenpositionierung aus. Der Vorteil dieser Bauweise besteht in einer vereinfachten Richtungsänderung. Es ist kein Wechsel der Füße notwendig.

Grundlegend unterscheidet man zwei Typen von Twin Tips. Bei dem ersten handelt es sich eher um größere Modelle, die links und rechts konkav sind. Der zweite Typ sind eher kleine Bretter mit konvexer Formgebung.

Dadurch zeichnen sich Mutant-Boards aus

Unter Mutant Boards versteht man eine Mischung aus Twin Tips und Directional Boards. Bug und Heck sind bei ihnen klar getrennt. Sie könnten also eigentlich nur in eine Richtung fahren. Die Besonderheit besteht in den zwei Finnen, die sich am Bug befinden. Mit ihnen ist es auch möglich, das Board bidirektional zu fahren.

Die Steuerung des Kites mit dem Bar

Der Bar ist eine Steuerstange, die dem Kitesurfer die Einflussnahme auf den Kite ermöglicht. Er befindet sich an dem Gurt des Surfers (Trapez). Die Bar ist über Steuerungs- und Sicherheitsleinen von 24-30 m Länge mit ihm verbunden. Der Surfer kann damit bestimmen, in welche Richtung er sich bewegen will und welche Antriebskraft dabei freigesetzt werden soll. Bei den meisten Modellen neuerer Fertigungsweise ist ein Mechanismus enthalten, mit dem es dem Surfer möglich ist, die Verbindung zwischen Kite und Sicherheitsleine zu trennen. Dies ist in verschiedenen Gefahrensituationen hilfreich, wenn der Surfer zum Beispiel die Kontrolle über den Gleiter verliert.

Die beiden in den meisten Fällen integrierten Sicherheitseinrichtungen sind das 'Quickrelease' und das 'Safetyleash". Bei der ersten Variante kommt der Schirm herunter, bleibt aber noch mit dem Gurtsystem des Kitesurfers verbunden. Dadurch geht der Schirm nicht verloren. Beim Safetyleash wird er komplett vom Schirm abgetrennt.

Nach der Leinenanzahl unterscheidet man 4-Leiner, 5-Leiner und 2-Leiner. Die wichtigsten Besonderheiten und Unterschiede sind:

  • 4-Leiner: Zwei Leinen werden in der Mitte zur sogenannten Depower-Leine zusammengeführt. Sie haben die Aufgabe, die Zugkräfte zu übertragen. Über eine Schlaufe sind sie mit dem Haken an den Gurten des Surfers verbunden. Die anderen zwei Leinen dienen zum Lenken und Bremsen. Sie befinden sich an der linken und rechten Seite der Lenkstange. Mit ihnen sind besondere Manöver wie das Verändern des Anstellwinkels möglich.
  • 5-Leiner: Bei diesem System kommt eine zusätzliche fünfte Leine zum Einsatz. Durch diese ist es möglich, den Kite ohne zusätzlichen Druck im Wind aufzublähen. Dadurch ist eine stabilere Nutzung gewährleistet. Der Drachen kann in die günstigste Position gebracht werden.
  • 2-Leiner: Ausführungen dieses Typs werden teilweise in der Schulung von Anfängern genutzt.

Der Schirm – der wichtigste Teil beim Kitesurfen

Kites gibt es in verschiedenen Formen, Größen und Materialien. Die Größen, die dabei von zentraler Bedeutung sind, sind die Angriffsfläche und der Einfallswinkel des Windes. Je größer die Fläche des Kites ist, umso stärker kann der Wind seine Kraft darauf ausüben. Besonders bei hohen Windstärken ist es aus diesem Grund empfehlenswert, einen kleineren Kite zu wählen. Üblicherweise verwendet man Modelle mit Größen von 9 bis 12 m². Damit es zu keiner Überbelastung des Materials bei hohen Windstärken kommt, verwendet man kleinere Kites.

Der Aspekt der Windstärke ist vor allem von Anfängern zu beachten. Man muss sich nur vor Augen halten, dass mit doppelter Windgeschwindigkeit bereits das Vierfache an Kraft auf den Surfer wirkt. Selbst geringfügige Lenkfehler können dann schon zu schwerwiegenden Folgen führen.

Mit den Leinen variiert der Sportler die Position des Drachens so, dass die wirkenden Kräfte in Richtung und Stärke seinen Wünschen entsprechen. Mit einer sogenannten Depower-Leine können die Kräfte vom Kite genommen werden. Dabei wird der Winkel so verändert, dass es zu einem leichten Strömungsabriss kommt. Die Zugkraft des Drachens lässt nach.

Es gibt verschiedene Arten von Kites. Die folgende Liste führt die wichtigsten Typen auf.

  • Softkite: Dieser Typ Schirm entspricht optisch dem Gleitschirm, wie er zur Nutzung an Land eingesetzt wird. Einige Ausführungen haben geschlossene Zellen, in die die Luft über Einlassventile hereingelassen wird. Zwischen zwei Tuchschichten bleiben Sie gespeichert und können nicht heraus. Schirme mit offenen Zellen können beim Kiten nicht genutzt werden, da sie sich beim Herabfallen mit Wasser füllen würden.
  • Tubekites: In diesen Drachen befinden sich mehrere Luftschläuche, die vor dem Start aufgepumpt werden. So können sie bei Wasserstarts nicht mit Wasser volllaufen.
  • C-Kite: Dieser nach seiner Form bezeichnete Drachen ist bei sehr guten Fahrern im Freestyle-Bereich beliebt. Vorteile dieses Typs sind eine direkte Ansprache auf Steuermanöver, eine gleichmäßige Leistung und geringe Luftdruckkräfte.
  • Bow-Kite: Hierbei handelt es sich um eine flachere Version des C-Kites mit gebogenen Enden. Ein Vorteil der Konstruktionsweise besteht darin, dass über die Depower-Leine nahezu 100 Prozent der Kraft vom Kite genommen werden können. Aufgrund der damit einhergehenden Sicherheit ist der Bow-Kite vor allem für Anfänger geeignet.

Die richtige Kleidung zum Kiten – der Neoprenanzug

Da man sich beim Kitesurfen lange Zeit unmittelbar auf dem Wasser aufhält, ist ein sicherer Schutz vor Kälte und Wind notwendig. Hierbei hat sich vor langer Zeit der Neoprenanzug etabliert. Er besteht aus einer bestimmten Art Synthesekautschuk (Polychloropren), die sich durch ihre hervorragenden Isolatoreigenschaften auszeichnet. Gute Neoprenanzüge sollten die folgenden Eigenschaften und Extras aufweisen.

Wichtig ist zunächst der Tragekomfort. Der Anzug soll eng anliegen und möglichst leicht sein. So können Sie sich bestmöglich darin bewegen. Einige Modelle sind innen gefüttert und so besonders gut gegen Kälte geschützt. Wichtig ist unter diesem Aspekt die Dicke des Anzugs. Am Körper sollte sie wenigstens 5 mm betragen, an den anderen Stellen 3 mm. Einen zusätzlichen Komfort gegen zu viel Nässe bieten Klettverschlüsse an den Beinen. Sie verhindern, dass viel Wasser an den Knöcheln in den Anzug dringt.