RATGEBER

Wakeboarden wie die Profis: die beliebtesten Boards, Bindungen und Neoprenanzüge

Viele Menschen verbringen ihre Freizeit gern am Wasser. Sonne, Strand und das kühle Nass laden zu vielen verschiedenen Formen der Betätigung ein. Ob es sich dabei um das Sandburgenbauen, das Schwimmen oder das Bootfahren handelt, jeder findet etwas, das ihm Spaß macht. Besonders experimentierfreudige Menschen mit einem Faible für Geschwindigkeit sind sicher schon einmal auf das Wakeboarden gestoßen. Haben Sie selbst noch nicht das Vergnügen gehabt, auf einem Wakeboard zu stehen, finden Sie in diesem Ratgeber vielleicht den ein oder anderen Anreiz dazu.

Wakeboards sind moderne Wassersportgeräte in der Form von Brettern. Der Sportler schnallt sich das Gerät an die Füße und lässt sich von einem Boot oder Jetski über das Wasser ziehen. Die Geschwindigkeit beträgt zwischen 35 und 39 km/h. Wie bei einem Snowboard oder Surfbrett steht man dabei seitlich zur Fahrtrichtung und hält sich während des Fahrens mit einem Seil am Heck des ziehenden Fahrzeugs fest. Ihren Namen hat die Sportart von den Wellen, die im Kielwasser entstehen. Der Wakeboarder nutzt sie als Rampe zum Absprung (Kicker). In der Luft werden dann verschiedene Tricks vollführt.

Die Grundlagen des Wakeboardens

Die Geschichte des Sports

Seinen Ursprung hat das Wakeboarden in den 80er Jahren des 20. Jahrhunderts. Es entstand aus einer Ablenkung heraus, wenn die Surfer sich während einer Windstille die Zeit vertreiben wollten. Sie stellten sich auf ihr Surfbrett und ließen sich von einem Motorboot über das Wasser ziehen. Diese Form des Wassersports stellt also eine Mischung aus dem Wasserskifahren und dem Surfen dar.

Seit dem Jahr 2005 ist das Wakeboarden eine Disziplin der World Games. Die Wettkampfserie vereint beliebte und verbreitete Sportarten, die nicht Bestandteil der Olympischen Spiele sind. Bei der Nominierung neuer Sportarten durch das Internationale Olympische Komitee kam das Wakeboarden nicht in die engere Auswahl.

Professionelles und wettkampforientiertes Wakeboarden wird in Deutschland durch den Deutschen Wasserski- und Wakeboardverband e. V. (DWWV) organisiert. Auf internationaler Ebene ist hierfür der IWWF (Internationaler Weltverband für Wakeboarden und Wasserski verantwortlich. Seit 1967 ist er offiziell vom Internationalen Olympischen Komitee anerkannt. Der IWWF legt unter anderem die Regeln fest und reglementiert die Ausbildung der Schiedsrichter.

Der Aufbau eines Wakeboards

Ein Wakeboard ist ein Brett mit einem Holz-, Schaum- oder Wabenkern. Aufgrund des Materials erhält es Auftrieb und ist schwimmfähig. Die Länge beträgt zwischen 111 und 147 cm, die Breite zwischen 38 und 50 cm. Das Wakeboard besteht im Wesentlichen aus vier Elementen: dem Rocker, den Channels, der Shape und der Finnen. Als Rocker bezeichnet man die Biegungen, die das Brett in einen vorderen (Tip) und einen hinteren Teil (Tail) untergliedern. Die Channels sind die Führungskanäle an der Unterseide des Boards. Die Finnen befinden sich auf der hinteren Unterseite des Boards. Es handelt sich dabei um eine Art Ruder, die zur Richtungsstabilität des Boards beiträgt. Der Unterschied zu einem Ruder besteht darin, dass die Finne sich nicht bewegt.

Die Größe der Finne sollte in Abhängigkeit von den körperlichen Voraussetzungen des Fahrers gewählt werden. Sie richtet sich nach dem Gewicht. Darüber hinaus spielt die Frage nach der Brettgröße eine Rolle. Ist die Finne zu klein oder wird sie zu stark belastet, kann das Wakeboard seine Stabilität verlieren und seitlich wegrutschen. Eine zu große Finne hat den Nachteil, dass sie zu träge auf die Manöver des Sportlers reagiert. Bei einer bewegungsfreudigen Sportart wie dem Wakeboarden empfiehlt sich aus diesem Grunde ein Board mit einer eher kleineren Finne.

Die Rocker (Biegungen) des Boards kommen ebenfalls in verschiedenen Formen vor. Die Wichtigste davon ist der 3-Stage-Rocker. Tail und Tip sind dabei durch einen Knick von der Grundfläche des Boards abgehoben. Andere Ausführungen haben eine Bogenform. Tail und Tip gehen übergangslos in die Grundfläche über. Man bezeichnet sie als 'Continuous Rocker'. Boards dieser Bauweise sind sehr gut geeignet, wenn man ein weiches Fahrverhalten mag. Weiterhin erlaubt ihre Form ein angenehmes Carven.

Worauf ist beim Wakeboardkauf zu achten?

Wichtig ist zunächst die Länge des Boards. Sie ist von Ihrer Körpergröße und Ihrem Gewicht abhängig. Wiegen Sie zwischen 50 und 70 kg, wählen Sie ein Board mit einer Länge von 125 – 131 cm. Bei einem Gewicht von bis zu 80 kg wählen Sie eine Länge von 131-136 cm. Anfänger sollten darüber hinaus eher zu einem längeren Board greifen. Durch die größere Oberfläche wird der Zug auf dem Seil und auf den Armen reduziert. Vorteilhaft ist es weiterhin, das erste Board gleich im Set mit Bindung und Schuh zu kaufen. Wichtige Hersteller sind Slingshot, Liquid Force und Ronix.

Geschliffene Kanten?

Als Anfänger sollte man auf ein Board mit kantigen Ecken zurückgreifen. Sie gewährleisten eine höhere Stabilität und eine berechenbarere Fahrweise als Boards mit geschliffenen Kanten. Sind Sie bereits erfahren im Umgang mit Brettsportarten, können Sie ein Board mit geschliffenen Kanten nutzen. Der Vorteil besteht in diesem Fall in höheren Geschwindigkeiten und einem höheren Auftrieb. Sprünge und Tricks können damit besser ausgeführt werden.

Die Bindung

Bei der Auswahl der Bindung müssen Sie auf einen sehr stabilen Sitz achten. Gleichzeitig darf sie nicht drücken. Einen Vorteil bieten hier Schnürbindungen. Sie können gut an beide Füße angepasst werden. Für Anfänger ist wichtig, dass die Bindung ein Stück weit über den Knöchel hinausragt. So ist eine höhere Stabilität gewährleistet. Als erfahrener Wakeboarder können Sie Bindungen kaufen, die nicht ganz bis an den Knöchel heranreichen. So haben Sie einen etwas höheren Bewegungsspielraum und können flexiblere Bewegungen bei den Tricks ausführen.

Schutz für den Körper

Wenn Sie sich ein Wakeboard kaufen, sollten Sie sich zusätzlich nach einer Prallschutzweste und einem Helm umsehen. Damit vermeiden Sie Verletzungen wie Prellungen, wenn Sie auf das Wasser aufschlagen. Zu Ihrer übrigen Ausrüstung sollte unbedingt ein Neoprenanzug hören. Der synthetische Kautschuk hat besonders gute Isolationseigenschaften und schützt Sie vor Unterkühlung. Achten Sie darauf, dass er möglichst eng anliegt und dass Sie sich frei darin bewegen können. Die Dicke sollte am Körper wenigstens 5mm, an den Seiten 3 betragen. Es empfiehlt sich, eine Ausführung mit Klettverschlüssen an den Knöcheln zu wählen. So gelangt nicht zu viel Wasser hinein.

So startet man mit dem Wakeboard

Wer schon einmal die ersten Versuche auf einem Wakeboard unternommen hat, ist sich bewusst, dass es gar nicht so einfach ist. Als kleine Hilfestellung finden Sie einige grundlegende Hinweise, die Ihnen am Anfang helfen.

Für das Wakeboardfahren ist der Wasserstart typisch. Dabei liegen Sie zunächst mit dem Rücken auf dem Wasser. Eine Schwimmweste ist hierbei durchaus hilfreich. Beachten Sie, dass Ihre Beine auf dem Board angewinkelt sind. Sie positionieren es quer zur Fahrtrichtung des Boots. Das Seil halten Sie dabei mit leicht gebeugten Armen zwischen den Beinen.

Im nächsten Schritt legt der Bootsfahrer den Leerlauf ein. Sie werden nun bereits eine leichte Spannung am Seil verspüren. Nutzen Sie diese, um sich zu stabilisieren. Sind Sie bereit, geben Sie dem Fahrer das Kommando zum Start. Dieser sollte nun zügig, aber nicht zu schnell Gas geben. Wichtig ist ein konstantes, gleichmäßiges Beschleunigen. Bleiben Sie auch während dieses Beschleunigungsvorgangs in der Hocke und halten Sie das Board quer zur Fahrtrichtung. Damit es sich flächig auf das Wasser legt, üben Sie einen leichten Druck auf die Zehen aus.

Nun folgt der letzte Schritt, der Übergang in das Vorwärtsfahren. Lassen Sie sich durch das Seil ziehen, sodass Sie in eine aufrechte Position kommen. Die Beine bleiben dabei angewinkelt. Sobald Sie aufrecht stehen, halten Sie das Board noch immer in Querposition. Sie gleiten zunächst einige Meter auf diese Weise. Erst im letzten Schritt drehen Sie Ihren bevorzugen Fuß nach vorn und können fahren.

Wichtige Fachbegriffe beim Wakeboarden

Wie bei jeder anderen Sportart gibt es auch beim Wakeboarden einige Termini, mit denen spezielle Bewegungen bezeichnet werden. Damit Sie auch als Anfänger schnell einen Einblick in die vielfältigen Nutzungsmöglichkeiten bekommen, finden Sie an dieser Stelle einen kurzen Überblick.

  • Fakie: Startet oder fährt jemand 'fakie', so ist der dominante Fuß hinten. Bei einem normalerweise mit dem linken Fuß vorn stehenden Fahrer wäre also der rechte Fuß vorn. Die Bezeichnung macht eine Aussage über die Standsicherheit. Normalerweise ist der regulärere Stand der sicherere. Anfängern wird empfohlen, von Beginn an beide Seiten zu trainieren. Auf diese Weise schaffen Sie sich eine sichere Basis für komplizierte Tricks.
  • Sideslide: Unter dieser Bezeichnung versteht man das seitliche Fahren mit dem Board. Der Körper des Fahrers bleibt nach vorn gerichtet, während das Board schräg zur Fahrtrichtung über das Wasser gleitet. Diese Technik ist besonders beim Losfahren und bei Drehungen wichtig. Man kann damit das Board auf der Wasseroberfläche drehen. Auch das Rückwärtsfahren mit schräg zur Fahrtrichtung positioniertem Board ist möglich.
  • Bunny-hop: Diese Bewegung ist essenziell für viele andere Tricks. Es handelt sich um einen kleinen Sprung, der in Fahrtrichtung ausgeführt wird. Für einen Bunny-hop ist die Ausnutzung der Heckwelle nicht erforderlich. Um eine gewisse Höhe zu erreichen, verlagert man sein Gewicht ein wenig auf den vorderen Fuß. Anschließend übt man ruckartig Druck auf das hintere Ende aus und springt ab. Ein Bunny-hop mit 180-Grad-Drehung bezeichnet man als Bunny-hop 180.
  • Surface 180: Bei diesem Trick dreht man das Board um 180 Grad auf der Oberfläche des Wassers, ohne einen Sprung auszuführen. Mit dem Trick wechselt man aus dem Regular- in den Fakie-Stand oder aus dem Fakie- in den Regular-Stand. Bei einer 360 Surface gelangt man nach der Drehung wieder in die Ausgangslage.